Aktion Think Pink – Muddy Angel Run

Aktion „Think Pink“ für Pink Ribbon Deutschland – Muddy Angel Run

Lina sagt, ich soll einen Text schreiben. Einen Blogbeitrag, in dem ich erkläre, wie es dazu kam, dass ich beim Muddy Angel Run gestartet bin und wie dann die Idee zu dieser Aktion „Think Pink“ für Pink Ribbon kam.

Seit Wochen drücke ich mich vor dem Text. Heute soll die Aktion an den Start gehen- das heißt wohl, dass ich jetzt irgendwas schreiben muss. Das ist so ein Moment, in dem ich gerne unsichtbar werden würde… aber ich fürchte, aus der Nummer komm ich jetzt nicht mehr raus.

Eigentlich beginnt die Geschichte im Frühjahr dieses Jahres, nämlich mit meiner Kur im Allgäu.

(An diesem Absatz sitze ich bereits 10 Minuten und komme nicht weiter, weil mir die Worte fehlen und ich einfach nicht weiß, wie ich es schreiben soll)

Diese Kur war überüberfällig. Ich war am Ende. Die Nachrichten von 3 Todesfällen in den Wochen vor meiner Kur machten die Situation nicht besser.

Gedächtnisstörungen, Wortfindungsstörungen, Sprachprobleme, Magenbeschwerden, Schlafstörungen, Alpträume, Angstzustände und Panikattacken sind nur ein Auszug aus der Situation vor der Kur. Zudem konnte ich meinen rechten Arm und meine rechte Schulter eigentlich gar nicht mehr bewegen, außer unter extremen Schmerzen.

Als ich in den Zug stieg, der mich ins Allgäu bringen sollte, hielt sich mein Abschiedsschmerz in Grenzen.

Ich wollte nur noch weg.

In der ersten Woche in der Klinik habe ich in jeder therapiefreien Zeit geschlafen. Es war, als würde meine Erschöpfung mich nun völlig in Beschlag nehmen.

Die Klinik, das Team und auch meine Kur-Gruppe waren großartig. Parallel zur Therapie begann ich, täglich eine Stunde zu schwimmen.

In der 2. Woche hatte ich den Termin bei der Traumatherapeutin. Sachlich nüchtern erzählte ich ihr, was uns in den letzten Jahren widerfahren war und meinen aktuellen Gesundheitszustand.

In dieser Therapiesitzung sprach ich zum ersten Mal darüber, was das alles mit mir gemacht hatte. Wie ich mich fühlte. Nämlich, dass ich gar nichts mehr fühlte.

In dieser Sitzung habe ich zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit geweint (wie auch jetzt, während ich das hier schreibe). Meine Wut über den Autounfall. Die Erinnerungen an diese Bilder, das Gesicht meines Sohnes, blutüberströmt. Meine Tochter und mein Mann, die schreien, einfach nur schreien.

Meine Ängste vor meiner OP, nach meiner OP. Die Erstickungsanfälle. Nicht mehr reden zu können.

Die Wasserschäden in unserem Haus, das Gefühl, alles verloren zu haben und nicht zu wissen, wie es weiter gehen soll- und der verzweifelte Versuch, jedes bisschen Kraft und Energie zu bündeln, um weiter kämpfen zu können.

All das führte dazu, dass ich irgendwann aufhörte, etwas zu fühlen. Gefühle wurden zu etwas, das nur abhielt vom Kämpfen und Überleben.

An diesem Nachmittag im Allgäu kam all das mit einer Wucht auf mich zu und überrollte mich. Es war ein sehr tränenreicher Tag.

Was tat ich?

Ich schwamm. Ich schwamm, um wieder ins Leben zurück zu kommen.

Und irgendwann schwomm ich nicht mehr allein. 3 andere Mädels aus meiner Kur Gruppe schwammen irgendwann mit mir- morgens um 5, abends um 21 Uhr. Wir schwammen zusammen. Manchmal schwiegen wir. Manchmal sprachen wir. Und wenn wir sprachen, endete es meist in langen Umarmungen und gemeinschaftlichem Weinen.
Wir hatten unser eigenes kleines Therapiebecken entdeckt.

In der 3. Woche dann waren einige von uns auf einer Wanderung unterwegs. 3 von uns schwammen. Mal wieder.

Draußen gab es ein Unwetter. Viel Regen und doch schien gleichzeitig die Sonne auf die Alpen. Und plötzlich, während wir schwammen, tauchte direkt vor der großen Fensterfront unseres Hallenbades ein Doppelregenbogen auf.

Und mitten im Wasser, während ich schwamm und auf diesen Doppelregenbogen sah, passierte etwas, das ich überhaupt nicht einordnen konnte.

Ich fühlte etwas.

Es war keine Stimme in meinem Kopf, die mir sagte, welche Gefühlsregung ich nun nach außen hin der Situation angemessen zeigen müsste- nein, ich fühlte tatsächlich etwas.

Ich hatte einen dicken Kloß im Hals und Tränen in den Augen und Schmetterlinge im Bauch. Es dauerte einen Moment, bis ich begriff, was für ein Gefühl das war. Ich war glücklich! Einfach schlicht und ergreifend in diesem Moment glücklich.

Später am Abend entschied ich, dass ich nun mehr von diesem Gefühl haben wollte. Ich entschied, dafür zu sorgen, dass ich meine Gefühle wieder entdecken würde.

Wenige Tage später begab ich mich allein auf eine 10 km Wanderung über den Schießbachtobel. Nach dem Frühstück ging ich los, über den Tobel, über Kuhweiden und Wiesen, durch Wälder und schmale Bergwege bis zur Alm. Dort trank ich eine Johannisbeerschorle und atmete.

Als ich mittags wieder in der Klinik ankam, war etwas passiert- ich strahlte und konnte einfach nicht aufhören damit.

In dieser Kur ist viel passiert. Soviel, dass ich nach der Kur teilweise überfordert war und mich zurück zog von Freundinnen, da ich nicht erklären konnte, was da in mir passierte, dem ich mich stellen musste. Allein.

Für manche Sachen findet man einfach keine Worte. Und manchmal möchte man auch nicht alles erklären müssen. Manchmal braucht man eine Zeit, um sich um sich selbst zu kümmern.

Mein Weg ist noch lange nicht vorbei.

Es ist nicht so, dasss ich schlagartig wieder die ganze Palette an Gefühlen abrufen kann.

Letzte Woche ist meine Tochter gestürzt und ins Krankenhaus gekommen. Sie ist aus fast 1,80 Höhe gefallen. Als der Anruf kam, passierte wieder folgendes: Ich wurde starr. Ich schaltete auf Autopilot und funktionierte. Ich rief meinen Mann an und wir trafen uns am Krankenhaus. Dort übernahm er, denn ich war stocksteif. Ich war so bemüht, nichts zu fühlen, dass ich wie ein Roboter herum lief.

Bei mir ist also nichts in Ordnung. Ich werde noch eine lange Weile brauchen, um wieder anzukommen in der normalen Welt der Gefühle. Um überhaupt zu fühlen. Ich begrüße jede Gefühlsregung die ich wahrnehme mit einem großen inneren Jubel. Auch wenn es mir immer noch schwer fällt, das nach außen zu kommunizieren, selbst vor meiner Familie.

Meine Beweggründe mich zum Muddy Angel Run anzumelden

Wie es dazu kam, dass ich nun am Muddy Angel Run teilnahm, weiß ich auch nicht mehr so genau. Sabrina fragte, ob jemand auf ihrer Freundesliste Lust hätte, mit zu machen. Und bevor ich überhaupt nachdenken konnte, hatten meine Finger bereits eine Zusage ins Kommentarfeld getippt.

Der etwas entgeisterte Blick meines Mannes war filmreif.

Ich hatte  keine Ahnung, worauf ich mich einlies- und ich wollte es auch gar nicht wissen. Ich sah mir keine Youtube Videos an und las keine Erfahrungsberichte. Ich, die sich normalerweise sehr gewissenhaft vorbereitet, wollte partout nichts davon wissen.

Mein Plan stand. Ich wollte was neues ausprobieren. Raus aus meiner Komfortzone. Mir ging es nicht um Schnelligkeit – ich wollte ins Ziel kommen. Ich wollte einfach nur diesen Parcours schaffen.

Am 20.8. war es soweit. Wir fuhren nach Stadtoldendorf und starteten mittags um 12 beim Muddy Angel Run.

Während des Warm Ups dachte ich kurz: „Hast du überhaupt eine Ahnung, worauf du dich da eingelassen hast?“ Und das Teufelchen auf der rechten Schulter antwortete:“ Scheiß drauf. Jetzt ziehst du das durch!“

Und das taten wir.

Das erste Matschloch war eine kurze Überwindung. „DAAA soll ich rein???? Ernsthaft jetzt? Und ich soll mir echt nen Maurerkübel Dreck übern Kopp kippen??! Ihr spinnt doch!“

Nun- ich sage euch: nach dem ersten Schlammloch seid ihr verloren.

Ihr wollt mehr. Ihr wollt mehr Schlamm, mehr Dreck, mehr von all dem.

Und so rannte und sprang und balancierte und watete ich durch, über, unter Hindernisse- und es passierte folgendes:

Jeder einzelne Schritt, den ich mehr auf diesem Parcour hinter mich brachte, war ein Schritt mehr zu mir. Ich strahlte, ich war so glücklich, dass ich das Gefühl hatte, dass diese Gefühle nicht mehr in mich rein zu passen vermochten. Ich war überwältigt und voller Endorphine und Adrenalin. Es gab keinen besseren Ort in diesem Moment als der, an dem ich gerade war.

Nach 2 Stunden kamen wir ins Ziel.

Die letzten 300 m vorher waren hart. Meine Beine begannen zu zittern und ich wusste nicht, wie ich den letzten Berg hoch kommen sollte. In dem Moment, in dem ich den Zieleinlauf sah, war alles egal. Wir rannten Hand in Hand und schreiend und brüllend ins Ziel und lagen uns in den Armen.

Muddy Angel Run ist eine Aktion für Brustkrebs. Muddy Angel will aufmerksam machen auf diese Krankheit, Spenden sammeln und dem Krebs zeigen:

Du kämpfst dreckig, das können WIR auch!

An diesem Tag haben wir, unser Team #Freehugs, nicht nur gegen Brustkrebs gekämpft. Wir haben vor allem etwas für uns selbst erkämpft. Ein Gefühl, das größer ist, als man in Worte packen könnte.

Wir sind Muddy Angels- und haben bereits unsere Tickets für den Lauf im August 2018 gebucht.

Meine Reise bis zum Muddy Angel Run war eine lange Reise. Eine Reise, die noch lange nicht zu Ende ist und die für mich viel bewegt hat.

Ich konnte und wollte nicht einfach zurückkehren aus diesem Abenteuer, ohne etwas weiter zu geben.

Dieses Jahr habe ich einen unglaublichen Menschen verloren- an Brustkrebs.

Ich glaube, dass es so sein sollte, dass ich beim Muddy Angel Run gelandet bin.

Aktion „Think Pink“

Darum habe ich Lina gefragt, ob wir eine Aktion starten wollen, eine Aktion, die Pink Ribbon Deutschland unterstützt. Eine Aktion, die dazu beitragen soll, auf Brustkrebs aufmerksam zu machen und Patientinnen in ihrem Kampf zu unterstützen.

Wenn es helfen würde, mir diese eine liebe Person zurück zu bringen, würde ich jeden Tag meines Lebens einen Muddy Angel Run laufen.

Das geht nicht. Aber wir können zusammen etwas bewirken. Wir können kämpfen.

Und jede einzelne von euch kann etwas dazu beitragen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr unsere Aktion „Think Pink“ für Pink Ribbon Deutschland unterstützt.

Bei Lina im Laden steht zusätzlich zur Aktion eine Spendendose für Pink Ribbon Deutschland- und auch das Team Freehugs kann durch Spenden beim Muddy Angel Run 2018 unterstützt werden.

Was mich noch mehr freuen würde, wäre, eine, zwei, drei oder noch viel mehr von euch im Jahr 2018 bei einem der vielen Muddy Angel Runs in Deutschland am Start zu sehen.

Gegen den Krebs- aber auch für euch selbst. Raus aus der Komfortzone. Nehmt dieses Erlebnis mit. Und vielleicht sagt auch ihr hinterher:

Ich war glücklich mit jeder Pore meines Körpers.

So wie ich am 20.8.2017

Und das ist für mich mein Anfang in etwas Neues.

Danke für eure Zeit. <3

Silke

#teamfreehugs

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

One comment

  1. Katrin says:

    Wie cool, schade, dass ich von dem Run nichts gehört hatte, ich wäre glatt dabei gewesen 🙂 bin ja Läuferin. Nächstes Jahr…..tolle Aktion! Und Hut ab vor deiner Leistung.

    LG Katrin

Schreibe einen Kommentar