So schwarz wie bunt…

Hallo ihr Lieben,

als Eva Marie von Romy Nähwerk  uns ihr neuestes Werk Sandy (eine leichte Bluse/ Tunika) vorgestellt hat, war ich sofort begeistert und habe mich total gefreut zu nähen. In letzter Zeit hab ich mir sowieso vorgenommen mehr zu Webware/ nicht dehnbaren Stoffen zu greifen. Ich vernähe sonst größtenteils Jersey oder Sweat, ab und zu mal Webware aber dann eher für Decken oder Taschen. So kam Sandy genau recht, ich konnte mich mal an nicht dehnbaren Stoffen austoben. Sandy ist für mich zum Lieblingsschnitt geworden und das ist nicht nur daher gesagt. Wen nur die rein nähtechnische Seite interessiert: Die Bluse sitzt und fällt toll, ist leicht zu nähen, da wunderbar erklärt. 🙂

Aber für mich gibt es noch mehr Gründe, wieso Sandy für mich so besonders ist. Das Probenähen endete für mich mit einer Selbsterkenntnis.

Ich war in der Stadt und durfte meine kleine Nichte spazieren fahren während meine Schwägerin fleißig bei der Rückbildung war. Wir sind dann durch die Geschäfte geschlendert und wie es der Zufall so will in einem Stoffladen gelandet (wer lacht denn da von Euch??). Ich bin an diesem bunten Stoff vorbei gegangen, fand ihn auf Anhieb interessant und hab ihn mir ausgebreitet.

Kennt Ihr das? Ihr seht etwas, seid nicht sofort ganz sicher, ob es schön oder hässlich ist, überlegt hin und her und entscheidet Euch dann? Ich für meinen Teil brauche für solche Entscheidungen immer ein bisschen. Ich lege den Stoff oft erst einmal wieder hin und gucke erst mal weiter.  In der nächsten Runde schaue ich dann noch einmal und manchmal drehe ich auch noch eine dritte Runde. An diesem Punkt hat mir die kleine Süßmaus aber einen Strich durch die Rechnung gemacht- sie fand das langsame wandern, stehen bleiben und langsam wieder weitergehen eher nicht so toll und fing an zu quengeln. Ich glaube, dass das einer frühkindlichen Konditionierung ihres Vaters geschuldet ist: „Wenn der Kinderwagen sich im Shoppingmodus bewegt, bitte anfangen zu nörgeln. Mami/ Nani gibt dann Geld aus und das wollen wir doch nicht!“ Anders kann ich es mir nicht erklären, denn auch die nachfolgenden zwei Besuche in Stoffläden liefen ähnlich ab, wobei sie sonst auch im stehenden Kinderwagen lieb schläft – irgendwas ist da komisch.

Na ja jedenfalls musste an diesem Tag eine schnelle Entscheidung her und bei 7€ pro Meter hab ich dann nicht lange überlegt und eingepackt.

 

Zu Hause dann hab ich den Stoff ausgepackt und mich irgendwie gewundert. Wie zum Teufel bin ich nur auf die Idee gekommen diesen Stoff mitzunehmen? Das muss an der im Kinderwagen liegenden Niedlichkeit gelegen haben – rosarote Brille, verliebte Tantenaugen – auf jeden Fall erschien es mir als ob ich nicht im Besitz meines Geschmackssinnes gewesen sei. Und die Meinung meines Manus hat es auch nicht besser gemacht: „Dein Ernst? Der Stoff geht gar nicht….“ Gut, ich hab dann beschlossen, dass aus dem Stoff mein Probeexemplar werden sollte.

Ein paar Tage später, ich muss zugeben, dass meine Stimung nicht die beste war…. Wer mich eine Zeit kennt, weiß, was ich meine. Jedenfalls kam ich mal wieder so gar nicht aus meinen Gedanken heraus, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Herzrasen – körperlich und seelisch alles einfach furchtbar. Ich beschloss dann meine Arbeit (und somit den Teufelskreis der Gedankenspirale) zu unterbrechen und hab noch ein paar Besorgungen gemacht. Unter anderem brauchte ich noch ein paar Materialien für Aufträge und wollte dann noch mal nach einem „richtigen“ Stoff für Sandy gucken. Mir fiel dann ein schwarzer Satinstoff in die Hände, nichts besonderes, schlicht und einfach schwarz.

Aber genau das war es, was ich wollte. Danach war mir. An diesem Tag drehte sich mein Magen fast um, als ich an den anderen bunten Stoff dachte und war so froh, dann doch das richtige für Sandy gefunden zu haben. Ich konnte mir überhaupt nicht mehr erklären, wie es zu dem anderen Stoff gekommen war. „Das bin doch nicht ich.“

Ich nähte also mein Probeteil aus dem schrecklich bunten Stoff. Ich hatte richtig Spaß am Nähen… und als ich die Bluse das erste Mal anzog war ich positiv überrascht. Hey, so schlecht schaut das gar nicht aus. Meine Schwägerin war sogar absolut begeistert. Und so trug ich Sandy ein paar Tage später sogar auf der Geburtstagsfeier meines Vaters. In Kombi mit einer dunklen Jeans, schwarzen Schuhen und Lippenstift fand ich das Outfit auf einmal sogar toll und ich bekam auch ganz nette Komplimente von den anderen Gästen. Und auch mein Manu war auf einmal überzeugt und der Meinung, dass so vernäht und kombiniert das Ganze durchaus tragbar sei.

Meine zweite und eigentlich „richtige“ Sandy nähte ich dann ein paar Tage später. Ich beschloss schlicht zu bleiben und auch die Knöpfe in schwarz (bis auf den obersten Knopf in silber) zu wählen. Außedem habe ich sie ein wenig verlängert, so dass der Popo bedeckt ist und ich eine Leggings dazu tragen kann. Dass mir diese Bluse gefällt war mir eigentlich sofort klar. Bekanntes Terrain halt…

Und da stand ich nun. Mit zwei völlig unterschiedliche Blusen. Und irgendwie machte mich das auch nachdenklich. Heute so und morgen so? Was ist denn nun mehr ‚ich‘? Aber je mehr ich darüber nachdachte um so mehr fiel mir auf, dass das immer so ist bei mir: Die Kleidung passte zur Stimmung. Wenn es mir schlecht geht, dann kann es nicht bequem genug sein. Dann ziehe ich mir auch mal einen Hoody von meinem Manu an. Dann brauche ich dunkle Farben, weite Schnitte, bequeme Schuhe, keine Schminke. Ich habe sowieso oft das Gefühl nicht in die Welt zu passen, dann mag ich nicht noch durch meine Kleidung in irgendeiner Form auffallen.

Aber es gibt auch andere Tage. Da fühle ich mich ganz wohl, da bin ich frei und fröhlich und ich trage gerne weiß oder bunte Farben. Es macht mir dann keine Angst solche Kleidungsstücke zu tragen. Und diese Tage sind in Summe, ja das ist wirklich so, fällt mir auf, öfter als die anderen.

Im Endeffekt bin ich wohl beides.  Traurig und nachdenklich, unsicher und ernst, gedankenverloren und zweifelnd, gefangen von Dämonen.

Aber – ich bin auch bunt und verrückt, albern und fröhlich, lachend und gelöst, ein freies Blumenmädchen.

Und für den einen mag das jetzt vielleicht etwas weit her geholt sein – aber genau diese Gedanken kamen mir bei Sandy. Manchmal muss ich die Dinge vor Augen gehalten bekommen. Und mir hat diese Erkenntnis sehr geholfen. Es wird immer Tage geben, an denen weiß sehr weit von schwarz entfernt liegt, an denen bunte Farben in der Seele weh tun. Aber diese Tage sind weniger geworden, ich hoffe, sie werden auch noch weniger und ich hoffe, dass irgendwann das schwarz nur noch eine Farbe der Kleidung ist und nicht mehr die der Stimmung – Ziel ist es ein schwarzes Blumenmädchen zu sein 🙂

Puh das war jetzt sehr persönlich. Und der Beitrag ist komplett anders geworden, als geplant. Ich speichere erst einmal und schaue, ob ich ihn zum Rums raushaue. Und bei Zeigt neues, ist doch echt schon wieder ein neuer Monat….

Also wenn ihr das hier lest, dann habe ich mich wohl fürs veröffentlichen entschieden…

Alles Liebe

Schnitt: Sandy von Romy Nähwerk

 

Stoffe: Stoffe am Kopfstadtplatz, Essen

 

 

5 comments

  1. Andrea says:

    Liebe Nana,
    das war wirklich sehr persönlich, aber manchmal muss es raus und das ist auch gut so. Ich persönlich habe nur eine einzige schwarze Bluse im Schrank und die hatte ich zur Beerdigung meiner Oma an. Schwarz ist mir zu düster, es macht mich blass, erinnert mich an Beerdigungen und wenn ich etwas schwarzes anhabe und in den Spiegel schaue, dann senkt sich automatisch meine Laune. Aus diesem Grund habe ich auch nur farbige Oberteile – nicht kunterbunt, aber auf jeden Fall nicht schwarz. Und wie kann es anders sein mir gefällt deine bunter Sandy besser als die schwarze. Aber es gut, dass du für jede Stimmung jetzt eine Sandy im Schrank hast.

  2. Rebecca says:

    Liebe Nana,

    schön, dass du zu mir und meiner Linkparty gefunden hast <3

    ich finde deine Sandy immer noch traumhaft schön <3 <3

    hab einen traumhaften Tag
    Rebecca

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